Motivation
Jeder kennt das Gefühl der scheinbar grundlos schwindenden Motivation. Wenn man aber den Grund herausgefunden hat, dieser sich aber nicht so leicht beseitigen lässt, wird die ganze Sache zu einem Problem. Genauer gesagt zu einem rekursiven Problem, da sich ja der Grund des Motivationsverlusts nicht so leicht beseitigen lässt, man aber immer und immer mehr an Motivation verliert.
Ich hatte ja das Glück, den Grund meiner schwinden Motivation zu finden. Aber beseitigen konnte ich ihn bisher noch nicht. So komisch das alles klingt, aber folgender Satz trifft eigentlich immer öfter zu: “I like my job, it’s the work i hate”
Diesen Satz hören Vorgesetzte nur sehr ungern, da er kein wirklich gutes Zeugnis für deren Arbeit ausstellt. Aber ganz ehrlich, wen kümmert das? Wenn man sich täglich anhören kann, wie unfähig man in gewissen Punkten doch ist, übersieht man sehr schnell den Menschen hinter dieser Position im Unternehmen. Eigentlich will ich ja mittlerweile die Arbeit, für die ich bezahlt werde, in meiner Freizeit so weit wie möglich vergessen. Aber die Gedanken daran holen mich immer öfter ein. Langsam wird es wirklich Zeit, etwas zu ändern. Einfach aktiv in das Geschehen eingreifen und das Ruder herumreißen.
Aber wie?
Was, wenn meine bisherige Arbeit nicht DIE Arbeit war, die ich immer machen wollte? Was würde passieren, wenn ich mich entscheiden würde, zu kündigen, mit einem Stipendium die Schule nachholen und studieren gehen? Aber was? Informatik? Mathematik? Literatur? Solange ich das noch nicht weiss, kann ich auch schlecht auf die finanzielle Unterstützung verzichten. Dazu bräuchte ich einfach einige Monate Pause und Zeit für mich. Will ich das Risiko überhaupt eingehen, jetzt zu kündigen und einfach zu warten, was passiert? Was passiert mit all den Kollegen, die dann mein Los ziehen würden, deren Familien zwangsläufig vernachlässigen müssen? Die körperlichen Belastungen, sich jeden Morgen aus dem Bett zu quälen, munter zu werden und Tag ein Tag aus das gleiche zu machen sind nahezu unzumutbar. Für einige Zeit ist das sicher kein Problem, aber auf längere Zeit gesehen?
Der momentane Tagesplan sieht eher nüchtern aus: um 4:00 Uhr läutet der Wecker zum ersten Mal, um spätestens 4:45 aufstehen und losfahren. Irgendwie den Vormittag überstehen, ohne der Müdigkeit die Oberhand zu lassen, sofern es sich ausgeht, gegen 14:30 die Heimfahrt antreten, um 15:00 ins Bett fallen und einfach nur schlafen. Dummerweise werde ich dann irgendwann mitten in der Nacht wach und ich brauche dann 2 Stunden, um wieder einzuschlafen. Und so wiederholt sich das Tag für Tag.
Mittlerweile habe ich es geschafft, mich lange genug wach zu halten, um am Nachmittag noch eine Runde Fußball am Funcourt zu spielen. Aber ich fürchte, das wird nicht lange gut gehen, da dazu einfach die Energie nicht ausreicht. Ich habe Angst, daran zu verrecken und eine verdammt lange Auszeit zu benötigen.
Dass Geld nicht alles ist, steht für mich eigentlich fest. Aber würde am Monatsende einfach noch etwas mehr herausschaun, ist man eher bereit, sich diesen Torturen auszusetzen. Keiner will das Mitleid, wenn er es sich freiwillig aussucht, das zu machen. Und ich habe großen Respekt vor allen Schichtarbeitern und deren Familien, die damit leben müssen. Jeder, der so etwas eine Zeit lang gemacht hat, weiß, worum es geht.
Aber gut, die Arbeit ist ein Thema, das mich einfach immer wieder beschäftigt. Das andere Thema wäre die KJ Haag.
Dass sich da endlich wieder etwas bewegen muss, ist wohl allen klar. Und ich hoffe einfach, dass ich, für den Fall, diese Gruppe leiten zu dürfen, genug Motivation aufbringe, um auch andere mitzureißen. Wobei ich das noch als geringstes Problem sehe, da mir die Arbeit mit jungen Menschen irgendwie unheimlich Spass macht. Weit schlimmer wird die viele Arbeit sein, vor allem organisatorisch.
Da ich ja keine Freundin habe, die ich mir mit meinem derzeitigen Arbeitsleben einfach nicht leisten (*) kann, muss ich mir die Motivation für alles irgendwie durch Außenstehende holen. Aber da kann ich mit Sicherheit auf einige Leute zählen, die mir den einen oder anderen Motivationsschub verpassen
Obwohl das alles etwas pessimistisch klingt, sehe ich mich der Herausforderung gewachsen. Einfach deshalb, weil es enorm viel Spass macht. Vor allem zu sehen, wie sich alle langsam verändern und irgendwie reifer werden. Und dir ist es erlaubt, ihnen dabei zu helfen und sie zu unterstützen. Und wenns auch nur der eine oder andere Ausflug ins Kino, zum Kartfahren oder whatever ist
So, genug geschrieben für heute. Mein Bett ruft verdammt laut nach mir
(* “leisten” im Bezug auf eine Freundin ist zwar das falsche Wort, aber ich sehe einfach nicht ausreichend freie Zeit, die ich mit ihr verbringen könnte. Und selbst wenn ich jemanden finden würde, der Bereit zu einem Kompromiss wäre, wäre eine “Wochenendbeziehung” absolut das Falsche für mich. Und ja, ich befinde mich momentan in einer kleineren Krise, eher einem Zwiespalt. Aber keine Sorge, es gibt nichts, wo ich mich bisher nicht herausgezogen habe
)